Branchenverband der Call- und Contactcenter-Wirtschaft fordert Änderung der Vergabepraxis

Berlin, 15. Januar 2021. Presseberichten zufolge werden auch Subunternehmen außerhalb Deutschlands und der Europäischen Union eingesetzt, um im Rahmen der Pandemiebekämpfung Impfhotlines zu betreuen. Der Call Center Verband Deutschland e. V. (CCV) fordert eine Änderung dieser Vergabepraxis.

Die deutsche Wirtschaft leidet massiv unter den Folgen der Pandemie. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge verlor die deutsche Volkswirtschaft durch die COVID-19-Pandemie bislang mehr als 212 Milliarden Euro. Nach aktuellen Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) belaufen sich die Corona-Hilfen für Unternehmen auf mehr als 76 Milliarden Euro. Zudem befanden sich laut Statistischem Bundesamt pandemiebedingt zwischenzeitlich fast sechs Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

Bereits im Jahr 2020 bot der CCV im Namen seiner Mitglieder Bund, Ländern und Behörden seine Unterstützung bei der Bewältigung der Pandemie an und erneuerte sein Unterstützungsangebot zu Jahresbeginn 2021.

„Während hierzulande viele Unternehmen Kurzarbeit anmelden müssen, wird bei der öffentlichen Vergabe an einen Contactcenter-Dienstleister von den öffentlichen Stellen offenbar akzeptiert, dass zumindest Teile der Auftragsbearbeitung ins Ausland verlagert werden. Es ist nicht bekannt, wie und ob überhaupt sichergestellt wird, wie viele Anteile der Auftragsabwicklung ins Ausland gehen und ob dort rechtliche Mindeststandards eingehalten werden. Warum in Zeiten einer derartigen Krise nicht der Fokus auf deutsche Arbeitsplätze und -standards gelegt wird, ist aus meiner Sicht schwer nachvollziehbar“, kritisiert CCV-Präsident Dirk Egelseer.

Inländische Call- und Contactcenter unterliegen den hohen arbeits-, datenschutz- sowie wettbewerbsrechtlichen Vorgaben des deutschen und europäischen Gesetzgebers sowie den Mindestlohnstandards. Bei nicht in Deutschland und der EU ansässigen Anbietern ist dies nicht der Fall.

CCV-Vizepräsident Roy Reinelt: „Möglicherweise sind auch Subunternehmer beteiligt, die mit dem beauftragten Contactcenter-Dienstleister nichts zu tun haben. Wer kontrolliert, dass die bei der Vergabe berücksichtigten Contactcenter-Dienstleister ihre Aufträge nicht outsourcen und so ihren Gewinn vergrößern? Das wäre moralisch stark verwerflich. Eine Änderung der Vergabepraxis ist daher erforderlich!“

Die beste Wirtschaftshilfe gerade in Zeiten der Pandemie ist, den inländischen Unternehmen im Rahmen der Vergabe von Aufträgen Verantwortung bei der Bewältigung dieser historischen Krise zu übertragen und die Verlagerung ins Ausland mit niedrigeren Schutzstandards zu vermeiden. Hiermit würde die Politik den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Beschäftigung nachhaltig sichern. Auch die deutsche Call- und Contactcenter-Branche leidet unter den Folgen der Pandemie. Es ist unverständlich, dass Bund und Länder die Unternehmen nicht mit einer entsprechenden Vergabepraxis unterstützen.

Weitere Informationen:

Über den CCV

Der Call Center Verband Deutschland e. V. (CCV) ist die Stimme der deutschen Call- und Contactcenter-Branche sowie ihrer Dienstleister. Zu dem Wirtschaftszweig mit über 540.000 Beschäftigten zählen neben eigenständigen Service- auch Inhouse-Callcenter in Unternehmen. Mit seinen Mitgliedsunternehmen repräsentiert der CCV führende Call- und Contactcenter aus den Bereichen Handel, Finanzen, Industrie und Dienstleistung. Als größter Verband in diesem Bereich vertritt er die Interessen gegenüber Medien und Politik und ist innerhalb der Branche eine anerkannte Plattform für fachspezifischen Informationsaustausch. Der CCV bietet zudem ein umfangreiches Netzwerk für beste Branchenkontakte.

Pressekontakt

Sandra Fiedler, Managerin Public Relation, Marketing & Events
E-Mail: presse@callcenter-verband.de
www.callcenter-verband.de

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